Das Museum im digitalen Raum

Das Museum im digitalen Raum

Zum Status quo in Österreich

von Wolfgang Muschitz (Hrsg.), verlegt vom Museumsbund Österreich
Graz 2019. 76 Seiten.

 

 

 

(av) Der Untertitel beschreibt den Inhalt – es geht vorwiegend um eine Bestandsaufnahme der Digitalisierung in österreichischen Museen. Hierzu werden in dem schmalen Band Ergebnisse einer Befragung, vier Gespräche mit prototypischen Museen und allgemeine Daten aus der Museumsstatistik dokumentiert. Das ist alles sehr lobenswert, denn öffentliche Berichte und Fachkongresse verzerren die Wirklichkeit der Museumswelten: Die stark überproportionale Präsenz von „Leuchtturm-Museen“ erweckt den Eindruck, die Digitalisierung schreite in großen Schritten und auf breiter Front voran. Doch das trifft nicht zu und es wäre wünschenswert, wenn eine solche Übersicht auch einmal für Deutschland in Angriff genommen würde.

Mithilfe eines leider nicht dokumentierten, insgesamt 90 Fragen umfassenden Fragebogens hat der Museumsbund den Digitalisierungsstand der österreichischen Museen erhoben. Dabei richtete sich der Fragebogen an Museumseinheiten, nicht an Museen. Irritierend ist, dass jegliche methodischen Hinweise fehlen: Zur Feldzeit, zum Befragungsweg (brieflich oder online), zur Zahl der Aussendungen und zum Rücklauf.

Die Präsentation der Ergebnisse folgt eher einer gestalterischen Ästhetik denn einer guten Lesebarkeit oder einer gut verständlichen Visualisierung. Auch wird in der Auswertung keine Unterscheidung nach Museumstypen gemacht, die Antworten haben sich hier – so die Autoren – nicht signifikant unterschieden (vgl. S. 9).

Was sind die wesentlichen Befunde? Hier folgt eine auf die Vermittlung konzentrierte Auswahl:

In der Präsentation setzen knapp 50 Prozent der Museen Videostationen ein, 36 Prozent auch Audiostationen. Jedes zweite Museum hat noch keine digitalen Objekte in seiner Sammlung, hier ist auch das gesamte Film- und Audiomaterial noch analog. Jedes fünfte Museum hat für Filme einen abgetrennten Bereich.

Digitale Objektdatenbanken habe zwei Drittel der Museen. Von diesen geben nur 20 Prozent der Aktualität ihrer Datenbanken vier Punkte von sechs möglichen, 40 Prozent drei Punkte und weitere 20 Prozent nur zwei Punkte. Über 60 Prozent der Museen pflegen somit ihre Objektdatenbanken nach eigener Einschätzung nicht hinreichend. Zudem sind hierin im Mittel erst 65 Prozent der gesamten Sammlung erfasst. In den Stammdatenblättern der Museen gibt es nur bei 37 Prozent die Kategorie „wissenschaftliche Beschreibung“, bei 25 Prozent „Literaturverweise“, und bei 14 Prozent „Verlinkungen zu anderen/verwandten Objekten“.

Online zeigen nur 18 Prozent der Museen Teile ihrer Sammlung, über 50 Prozent der Museen haben diese Möglichkeit geprüft und für sich bewusst (erst einmal) verworfen. Ihnen fehlen hierzu Ressourcen, das Know How oder aber Urheberrechte sind ungeklärt.
Hochauflösende Bilder zeigen von diesen Museen nur ein Viertel. Ein weiteres Drittel bietet hochauflösende Bilder zum Kauf an. Web 2.0 als Interaktion ist nur bei einem Drittel der Online-Kollektionen verwirklicht – der Austausch mit dem Publikum unterbleibt somit ganz überwiegend, zudem wird als Interaktion bereits das einfache Teilen in Online-Netzwerken („SocialMedia“) gezählt. Nur ein Viertel der Museen monitoren überhaupt, wer wie ihre Online-Kollektionen nutzt. Die gezeigten Objekte werden so gut wie nirgends aus der vorhandenen digitalen Objektdatenbank generiert, sondern in die Web-Software eingepflegt

Von 800 registrierten Museen in Österreich werden mehr als die Hälfte ehrenamtlich geführt. Während 50 Prozent der hauptamtlich geführten Museen ihre Weblogs auswerten, ist dies nur bei 25 Prozent der ehrenamtlich geführten Museen der Fall. 25 Prozent der Websites der Hauptamts-Museen werden durch Agenturen/Externe betreut/gewartet, bei den Ehrenamts-Museen übernehmen dies Vereinsmitglieder. Die Websites werden von den Museen überwiegend als Service-Hilfsmittel eingestuft. 60 Prozent der Hauptamts- und 20 Prozent der Ehrenamts-Museen versenden Newsletter, dabei nur Hauptamts-Museen regelmäßig (14% woe., 35% mtl.). 60% der Museen versenden ihre Newsletter zielgruppen-unspezifisch. Zielgruppenspezifische Newsletter gehen an Schulen (40%), Familien (13%) und Senior*innen (4%). 40% der Museen haben einen eigenen Newsletter für ihr Veranstaltungsprogramm.

Zwei Drittel der Museen sind in Online-Netzwerken präsent – in Facebook (95%), Instagram (40%), YouTube (35%), Twitter und WhatsApp (18%). Dabei sind SocialMedia-Strategien die Ausnahme, wie insgesamt nur 18% der Hauptamts-Museen und 4% der Ehrenamts-Museen eine digitale Strategie besitzen.

Jedes vierte Museum bietet seinen Besuchern ein WLAN, bei den Ehrenamts-Museen sind es nur 13 Prozent. 72 Prozent der Museen haben einen elektronischen Guide (Audio/Multimedia). 47 Prozent der Museen fehlen die Ressourcen, um eine App für ihr Museum zu gestalten. Dabei bleibt leider unklar, ob dies auch bereits den Zugang zum eigenen elektronischen Guide über Own Devices meint. 35 Prozent der Hauptamts- Museen haben Apps mit interaktiven Elementen, 20% mit Gaming-Elementen. Die entsprechenden Werte für Ehrenamts-Museen lauten 11% und 0%.

Nur 38 Prozent der Hauptamts-Museen haben ein Intranet, nur 16 Prozent verwenden Projektmanagement-Tools. In nur 27 Prozent dieser Museen werden Dokumente gemeinsam bearbeitet. Agile Projektmanagement-Prozesse sind in den Museen weitgehend unbekannt.

Die vier dokumentierten Gespräche zeigen „eine große Ungleichzeitigkeit“ im Digitalen. Wobei zu hinterfragen ist, ob Museen tatsächlich eine „digitale Transformation“ brauchen. Aber dafür müsste erst einmal wieder ein Konsens hergestellt werden, was ein Museum ist, sein will oder sein soll. Klar wird in allen Gesprächen: Digitalisierung braucht Ressourcen. Und wenn niemand sein Füllhorn ausschüttet, können sie nur durch klare Prioritäten und strategische Ausrichtungen errungen werden. Übrigens: Warum redet eigentlich kaum jemand davon, wie man durch Digitalisierung Ressourcen einsparen oder besser nutzen kann? Gerade auch dieser Aspekt – der Einsatz des Digitalen zur Optimierung des täglichen Workflows im Museum – müsste doch ein wesentliches Element in den Digitalen Strategien der Museen sein. Aber zumeist fehlt er!

Die Studie ist als PDF hier frei erhältlich.

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